Über Food-CoopsLebensmittelkooperativen – Hintergründe, Grundsätze und Motivationvon Christoph Weinmann InhaltEin kurzer Einblick in die Geschichte der LebensmittelkooperativenLebensmittelkooperativen sind so alt wie der Naturwarenmarkt selbst. Ende der 70er bis Anfang der 80er Jahre waren die Möglichkeiten an biologisch erzeugte Produkte zu kommen noch sehr begrenzt. Das trifft insbesondere auf den ländlichen Raum zu, wo der Einkauf von kbA Ware fast unmöglich war. Aber auch in vielen Städten war das Angebot noch sehr klein. Dies war für viele Leute Motivation genug, sich die Mühe zu machen, selbst die Organisation der Warenbeschaffung zu übernehmen. Dabei spielten der Bezug direkt vom Erzeuger in den meisten Fällen die gleiche Rolle wie der vom Großhändler. Dem Boom der Food-Coops folgte der Boom der Naturkostläden. Für viele Menschen ging damit der Sinn einer Lebensmittelkooperative verloren, denn im Naturkostladen war die Ware meist einfacher zu bekommen. Tatsächlich verschwanden in der ersten Hälfte der 80er Jahre viele Coops wieder schnell. Andere, die mehr politisch motiviert waren, festigten ihre Strukturen und zeigten hohe Kontinuität. In ganz Deutschland gab es Lebensmittelkooperativen. 1985 wurde ihre Zahl auf 300-500 geschätzt. Manche Regionalverteiler setzten weit mehr als die Hälfte ihres Umsatzes über Food-Coops ab. Ab Mitte der 80er Jahre, mit der Sättigung des Marktes mit Bioläden, wuchsen in der Naturkostszene die Widerstände gegen Food-Coops. Aus ehemaligen Partnern wurden Feinde. Über die Jahre wurde es immer schwieriger an Großhandelsware zu kommen. Viele Kooperativen sind unter dem wachsenden Druck verschwunden. Aber einige haben sich mit Einsatz und Phantasie eine Nische gebastelt , in der sie überleben konnten. Das Interesse, sich in Food-Coops zu engagieren, existiert weiterhin und geht über das "billig einkaufen können" weit hinaus. Die Motivation in Lebensmittelkooperativen aktiv zu sein.Lebensmittelkooperativen entstanden im Zuge der alternativen Bewegung der 70er Jahre und haben vieles mit Bürgerinitiativen gemeinsam. Aus der aufkommenden Diskussion über die Zerstörung der Umwelt und die Belastung der Lebensmittel mit Schadstoffen und Giften entstand die Motivation, selbst etwas gegen die herrschende Verhältnisse zu unternehmen. Die Unterstützung des biologische Landbaus war ein Grundsatz, die selbständige und eigenverantwortliche Organisation des Nahrungsmittelbezugs ein zweiter. Das die Ware dabei günstiger bezogen werden konnte, als im weit entfernten Bioladen, wurde natürlich begrüßt und steigerte die Motivation. Niemand möchte bestreiten, das der Preis keine Rolle spielt. Wer ist schon nicht bestrebt möglich günstig einzukaufen. Lebensmittelkooperativen sind durch basisdemokratische Strukturen gekennzeichnet und sind deshalb für viele Menschen interessant, denen selbstbestimmtes Handeln und die Möglichkeit ohne Hierarchien arbeiten zu können wichtig sind. Einfach nur Konsumieren ist für viele nicht befriedigend. In Food-Coops kann sich jeder an dem Entscheidungsprozeß bezüglich Ware und Bezug beteiligen. Der in vielen Fällen vorhandene Kontakt mit den Erzeugern schafft das Vertrauen in das Produkt, das im kommerziellen Handel oft abhanden gekommen ist Inhalte einer LebensmittelkooperativeWelche Inhalte stehen nun hinter einer Food-Coop? An dieser Stelle möchte ich die Inhalte kurz zusammenfassen.
Food-Coop – eine soziale EinrichtungLebensmittel aus kbA haben ihren Preis. Coops wollen sich nicht an der Preisfeilscherei beteiligen, die dazu führt, daß die Erzeuger und Produzenten Ware unter Preis verkaufen müssen. Doch viele Menschen, die aus ideellen Gründen den biologischen Landbau unterstützen wollen, können sich diesen gerechten Preis nicht leisten. Gerade junge Menschen wollen sich mit kbA Lebensmitteln ernähren und scheitern an der Preishürde, die mit einem kleinem Einkommen wie Lehrgeld, Praktikantentaschengeld oder Bafög nicht zu überwinden ist. Lebensmittelkooperativen bieten eine Alternative. Geld wird durch Zeit ersetzt. Meist haben Leute mit wenig Geld mehr Zeit. Wer in einer Coop Mitglied ist, muß Zeit mitbringen, denn sie/er muß sich aktiv in das alltägliche Geschäft der Coop einbringen, muß Aufgaben übernehmen. Nur so kann eine Coop funktionieren. Als Lohn für die investierte Arbeit ist die Ware günstiger als im Laden, eine logische Konsequenz. Somit ermöglichen Food-Coops finanziell schlechter gestellten Menschen, doch an kbA Ware zu gelangen. Es ist auch nicht einzusehen, warum gesunde Ernährung ein Privileg für Besserverdienende sein soll. Lebensmittelkooperativen als "Durchlauferhitzer" – über ihre MarktnischeMit dem Hintergrund des bisher gesagten wird deutlich, daß Coops einen eigenen Sektor auf dem biologischen Markt besetzen, der sich vom dem der Bioläden unterscheidet. Es wird ein anderes Kundenpotential angesprochen, nämlich Menschen die wenig Geld haben, versuchen wollen ihre Ideale zu realisieren und politisch engagiert sind. Außerdem muß jeder bereit sein, mit den Unzulänglichkeiten in einer Coop zu leben. Denn eine Lebensmittelkooperative läuft nie in der Perfektion eines gut geführten Ladens. Da fehlen die Waren, Bestelltes wurde nicht geliefert bzw. nicht abgeholt, Motten haben sich im Getreide breit gemacht, weil die/der Zuständige sich nicht um die Mottenprophylaxe gekümmert hat, usw.... Auch muß man in den meisten Coops Brot, Gemüse und Milchprodukte eine Woche im voraus bestellen. Damit kommt die Mitgliedschaft in einer Food-Coop für viele Menschen nicht in Betracht. Denn die meisten sind auf Dienstleistungen angewiesen, die eine Food-Coop nie erbringen kann. Für die meisten Menschen ist die Mitgliedschaft in einer Coop eine zeitlich begrenzte Sache. Sobald die zur Verfügung stehende Zeit knapp wird, wird die Coop lästig. Da das Verhältnis der investierten Arbeit zu der erhaltenen Leistung meist recht ungünstig ist, scheiden viele Mitglieder aus, wenn es die finanzielle Lage erlaubt. Doch auf die Qualität der gewohnten Nahrungsmittel will deswegen niemand verzichten. Die Dienstleistung eines Bioladens wird dann gerne in Anspruch genommen. Man weiß ja was gut ist und kennt die Hintergründe. So erziehen heute Lebensmittelkooperativen die Kundschaft der Bioläden von morgen. Natürlich gibt es in jeder Coop Mitglieder, die seit Jahr und Tag in der Coop aktiv sind und immer aktiv bleiben werden. Doch erstens ist dies eine deutliche Minderheit und zweitens sind diese Leute für die Kontinuität der Coopstrukturen sehr wichtig. Die Mitgliedschaft in einer LebensmittelkooperativeEines ist allen Lebensmittelkooperativen gemeinsam, sie sind als Mitgliedergemeinschaft organisiert. Nur wer Mitglied ist darf einkaufen. Die Mitgliedschaft manifestiert sich in Festgeldeinlagen, in regelmäßigen Mietzahlungen oder Mitgliedsbeiträgen und vor allem in der regelmäßigen Beteiligung an den notwendigen Arbeiten. Mitglied darf jeder werden, der bereit ist Zeit, Arbeit und Geduld zu investieren. Viele Food-Coops haben ihre Mitgliedszahlen begrenzt, um einer möglichen Anonymität vorzubeugen und den organisatorischen Aufwand in Grenzen zu halten. Lebensmittelkooperativen bedeuten VielfaltAn dieser Stelle soll nicht der Eindruck erweckt werden, es gäbe die Coop-Struktur. Im Gegenteil, jede Lebensmittelkooperative ist anders. So wie sich auch die Menschen unterscheiden, die die Coop machen, unterscheiden sich die Strukturen in den verschiedenen Lebensmittelkooperativen. Somit steht Lebensmittelkooperative für Vielfalt. Vielfalt bereichert eine Gesellschaft. Weitere InformationenWenn Sie mehr über Coops wissen wollen gibt es zwei Möglichkeiten:
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